Da ist wahrscheinlich kein Gott – Sorge dich nicht und geniesse dein Leben
Die Kontroverse weltweit dreht sich um
die Aussage, es könne vielleicht keinen Gott geben. Diese
aufgeworfene Frage zu beantworten haben schon viele Grössere
vor mir versucht und ich halte es mit dem Zen-Meister, der auf die
entsprechende Frage des Jesuiten Franz Xaver an manchen Tagen mit Ja
und an an anderen Tagen mit Nein antwortete. Darüber zu streiten
ist müssig, denn zunächst gilt es zu definieren, was mit
Gott gemeint ist und darüber wiederum gibt es ganze
Bibliotheken.
Mich beschäftigt vielmehr der
zweite Teil der Aussage: „Sorge dich nicht und geniesse dein
Leben“. Ich habe noch keinen Aufschrei gehört,
keine Kontroverse, keine Vorwürfe, dabei ist diese Aussage ein
erschreckendes Abbild unserer Zeit. Wo ist die Frage nach der
Verantwortung für den Mitmenschen? Für die Umwelt? Für
die Armen dieser Erde? „Sorge dich nicht“ bedeutet: verdränge
alle Probleme und „geniesse dein Leben“ ist leichter gesagt als
getan, wenn man krank ist oder Schmerzen hat oder zu wenig Geld hat
und älter wird und geliebte Menschen sterben. Da wäre es
schön, man könnte hoffen, es gäbe einen Gott, ein Wesen,
eine Kraft, eine Energie, einen Seinsgrund, der oder das oder die
schaltet und waltet und dem Ganzen einen Sinn verleiht, einen
Zusammenhang schafft, eine Einheit verkörpert, um mit dem
Unverständlichen umgehen zu können.